Schaukeln kann so elegant sein

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Schenken, warten, verkaufen: Wie Sie mit dem Sylter Modell clever Steuern sparen.

Werden auf Sylt besonders oft Eigenheime verschenkt? Kann sein. Zumindest wenden deren Besitzer auf der Insel offenbar recht häufig eine ziemlich clevere Methode an, um Steuern zu sparen. Deshalb nennt man diese auch “Sylter Modell”. Wir nennen das Ganze auch gerne Eigenheimschaukel, was freilich nichts mit dem gemütlichen Kuscheln auf der Hollywoodschaukel im Garten kurz vorm Sonnenuntergang zu tun hat – aber ein munteres Hin und Her ist es trotzdem. Und vor allem völlig legal und ganz schön praktisch, wenn man es geschickt macht. Das geht so:

Die Geschichte von Paul Mertens

Paul Mertens ist wohlhabend. Sehr wohlhabend. Ihm gehören mehrere Unternehmen, und er bewohnt mit seiner Frau eine Traumvilla. Ob die jetzt auf Sylt steht oder in Gevelsberg-Silschede oder am Tegernsee, sei’s drum. Jedenfalls ist die Villa ein paar Milliönchen wert, sagen wir dreieinhalb. Nun möchte Paul Mertens gerne seiner geliebten Ehefrau etwas schenken – dreieinhalb Millionen Euro, und die nicht nur in Sachwerten, sondern gerne auch als Barvermögen. Dieses hätte er locker aktuell sogar auf seinen Bankkonten zur Verfügung.

Dass Mertens aber nicht so die allergrößte Lust hat, eine Schenkungssteuer zu zahlen, ist ja wohl klar, oder? Er könnte nun die Güterstandsschaukel anwenden, sprich: einmal mit seiner Frau vereinbaren, alle gemeinsamen Güter zu trennen, und dann nach Ablauf einer Frist (die nennt man auch Schamfrist, weil man ja nicht direkt am nächsten Tag alles wieder rückgängig macht) alles wieder zusammenzuführen – eine gute Idee, geht aber auch noch anders!

Das geschenkte Haus

Nein, Mertens macht es einfach anders: Er schenkt seiner Frau das Haus im Wert von dreieinhalb Millionen Euro. Ist ja ein selbstgenutztes Privathaus, fällt also keine Schenkungssteuer an. Auch keine Grunderwerbsteuer. Nun warten die beiden erst einmal ab und lassen Zeit ins Land gehen (Thema Schamfrist, Sie wissen schon!). Dann verkauft Frau Mertens ihrem Mann das Haus zum Verkehrswert von dreieinhalb Millionen Euro. Und wieder: Es fallen keinerlei Steuern an. Eine Schenkungssteuer schon mal gar nicht, denn es ist ja kein Kauf, aber auch keine Einkommen- und oder Grunderwerbsteuer. Und Frau Mertens hat ihre dreieinhalb Millionen Euro an liquiden Mitteln erhalten. Dieses ziemlich elegante Hin und Her nennt man Eigenheimschaukel.

Aber ist das denn nicht ein Missbrauch von steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten?! Ich meine nein, denn wie soll ein Verkauf zum Marktpreis missbräuchlich sein, wenn alles mit rechten Dingen zugeht?

Verstanden, ganz schön clever. Und was gibt es da noch so zu beachten?

Versteht sich eigentlich von selbst, ich sag’s trotzdem noch mal: Wenn Sie diesen Weg gehen möchten, vereinbaren Sie bei der Schenkung bloß keine Einschränkungen wie etwa Vorbehalts- oder Widerrufsrechte. Die könnten das Ganze von vorneherein zum Scheitern bringen.

Und nochmal: Denken Sie an die Schamfrist. Also nicht am 1. März 2018 schenken und am 2. März 2018 wieder zurückverkaufen, sonst stünde ein so genannter “Gesamtplan” im Raum. Möglichst einige Monate ins Land gehen lassen, gerne auch ein ganzes Jahr, wenn es nicht gerade eilt. Und: Sie können dieses Sylter Modell auch mehrmals wiederholen, aber auch hier bitte mit Bedacht, also vielleicht nicht gerade fünfmal binnen eines halben Jahres.

Sie haben Fragen zur Gestaltung oder den weiteren Hintergründen dazu? Gerne! Sprechen Sich mich jederzeit an.