Komm, wir gehen auf den Markt! Gerne. Aber bitte richtig. Vor allem im Netz.

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Was Sie auf dem digitalen Marktplatz in Sachen Umsatzsteuer so alles beachten müssen.

Amazon nennt ihn sogar so: Marketplace. Und das Ding floriert seit Jahren. Kein Wunder, dass es heute ungezählte Online-Marktplätze gibt, auf denen Händler ihre Produkte anbieten können. Aber natürlich nicht wie Kraut und Rüben. Da muss schon Ordnung herrschen. Vor allem beim Thema Umsatzsteuer. Und, ganz wichtig: Wenn Sie der Betreiber des Marktplatzes sind, sitzen Sie mit im Boot. Und wenn Sie Händler auf einem Marktplatz sind müssen Sie ebenfalls – handeln!


Verstanden. Und was muss ich alles beachten? Eine ganze Menge. Los geht’s:

1. Das Gesetz

Ich sage nur: „Gesetz zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Handel mit Waren im Internet und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“. Klar soweit? Nein? Kein Wunder, ist ja auch ein Gesetz. Einfach gesagt: Das Bundesministerium der Finanzen will (zu Recht) seine Umsatzsteuer einstreichen. Und hat dafür gesetzliche Vorschriften entwickelt. Die betreffen insbesondere den Betreiber des Online-Marktplatzes.

2. Die Aufzeichnungspflicht

Welche Händler machen auf dem von mir betriebenen Marktplatz Umsätze? Wie lautet ihre Steuernummer? Wer haftet wofür? Alles ganz wichtig. Die Daten dazu müssen seit dem 1. Januar 2019 für alle umsatzsteuerpflichtigen Unternehmer auf Ihrem Marktplatz gesammelt und zehn Jahre aufbewahrt werden. Andernfalls gibt es Ärger!
Konkret sind das:

  • Der vollständige Name und die vollständige Anschrift des liefernden Unternehmers
  • dessen Steuernummer und soweit vorhanden auch USt-IdNr.
  • Die Gültigkeit der neu erteilten Bescheinigung „USt 1 TI“ über die steuerliche Erfassung des Unternehmers
  • Genauer Ort (also vollständige Anschrift), Zeitpunkt und Höhe des Umsatzes
  • Als Händler müssen Sie die besagte Bescheinigung „Ust 1 TI“ Ihrem Marktplatzbetreiber vorlegen

3. Die Bescheinigung über die steuerliche Erfassung

Diese wird auf Antrag erteilt. Der kann per Post oder E-Mail gestellt werden. Achtung: Die Bescheinigung befristet, aktuell bis zum 31. Dezember 2021. Sie sind nicht umsatzsteuerpflichtig, weil Kleinunternehmer? Dann kann der Antrag trotzdem gestellt werden. Übrigens: Die Bescheinigung erhalten die Antragsteller dann zunächst noch in Papierform, grundsätzlich auf dem so genannten Vordruckmuster USt 1 TI. An der Digitalversion wird noch gebastelt.

4. Keine Bescheinigung nötig

Ja, das gibt es auch. Wenn der liefernde Unternehmer im Inland keine Umsätze macht, die versteuert werden könnten. Beispiele? Gerne:

  • Ein Unternehmer führt in einem Gemeinschaftsgebiet ausschließlich Lieferungen aus. Wenn dann die so genannte Lieferschwelle gilt, sind diese Leistungen im Inland nicht steuerbar.
  • Ein Unternehmer führt ausschließlich Lieferungen an Abnehmer im Inland aus – und bei diesen beginnt die Beförderung oder Versendung erst nach Abschluss des Kaufvertrags im Drittland (Direktverkäufe). Gleiches Prinzip wie oben.

5. Wer haftet für nachzuzahlende Umsatzsteuer auf dem elektronischen Marktplatz, wenn keine Bescheinigung vorliegt?

Na: Sie! Ganz einfach. Sie stellen den elektronischen Marktplatz bereit. Also haften Sie grundsätzlich für die nicht entrichtete Umsatzsteuer aus der Lieferung von Gegenständen von Unternehmern, die auf diesem Marktplatz rechtlich begründet wurde. Und Sie haften selbst dann, wenn ein Händler Ihnen zwar die Bescheinigung über die steuerliche Erfassung vorlegt, aber beim Abführen der Umsatzsteuer trotzdem Schmu betreibt – und Sie davon wussten.

6. Und wie geht das mit der Haftung?

Keine Sorge: Da wird nicht direkt Geld eingetrieben. Besteht die Frage, ob in einem Fall X gehaftet werden muss, hört man Sie erst einmal an. Und: Die Finanzverwaltung muss darlegen, ob und inwieweit ein Verstoß vorliegt, nicht Sie. Ist das der Fall, so sagt Ihnen das Finanzamt: Hallo, da ist wohl ein Händler auf Ihrem Marktplatz unterwegs, der seine Umsatzsteuer nicht abführt! Es setzt Ihnen eine Frist, bis wann Sie den Händler zu sperren haben, andernfalls müssen Sie haften und womöglich Umsatzsteuer nachzahlen. Also: Vorab Bescheinigungen einfordern und im Zweifelsfall immer schnell reagieren!

7. Und wenn ich selbst Händler bin?

Ich mach’s kurz: Etwa ein Viertel der Steuerfahnder aus NRW sind zur Zeit damit beschäftigt, das Internet im Hinblick auf Fehlverhalten im Umgang mit der Umsatzsteuer zu durchleuchten.

Sagen wir, Sie haben auf Ihrem Antrag zur Ausstellung der oben beschriebenen Bescheinigung nur drei Marktplätze angegeben. Aber die Recherche der Fahnder ergibt, dass sie sich mal locker noch auf einigen mehr tummeln … tja, den Rest können Sie sich denken. Also: Seriös planen und alle Marktplätze, auf denen Sie online handeln, auch angeben! Dann sind Sie auf der sicheren Seite.