Halbwahrheiten Einkommensteuer

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Teil 2/2
Zuschuss? Krankheitskosten? Handwerkerrechnung? Absetzen oder nicht? Oder zum Teil?

Was Sie zur Einkommensteuer vielleicht annehmen. Und was stimmt. Wir räumen in Teil 2 wieder mit einigen Halbwahrheiten auf.

Was manche glauben:

„Wie praktisch! Ich habe Arbeitslosengeld bezogen. Mein Bekannter Gründungszuschuss. Und meine Cousine Elterngeld. Und wir müssen darauf alle keine Steuern zahlen!“

Was wir wissen:

Mal langsam mit den jungen Pferden! In der Tat werden Zuschüsse vom Staat, wie die drei oben genannten, zunächst einmal nicht direkt mitgezählt, wenn es um die Berechnung der Steuerhöhe geht. Arbeitslosengeld und Gründungszuschuss bleiben auch komplett steuerfrei – wäre ja noch schöner.

Und jetzt kommt das Aber: Es gibt den so genannten Progressionsvorbehalt. Ja, mal wieder so ein Wortungetüm. Es steht sinnbildlich dafür, wie kompliziert auch die entsprechende Berechnung ist. Denn in einer Nebenrechnung wird ermittelt, wie hoch denn ihr fiktives Einkommen inklusive der Zuschüsse, zum Beispiel Elterngeld, wohl wäre. Für dieses – noch einmal: fiktive – Einkommen berechnet man dann einen entsprechenden Steuersatz. Der richtet sich nach dem Einkommensteuertarif, der dann – leider nicht mehr fiktiv – für Sie gilt. Und jetzt kommt’s: Den setzt das Finanzamt dann auf Ihr tatsächliches Einkommen ohne die Transferleistungen an. Sprich: Man hievt Sie auf der Steuerleiter einfach eine Stufe höher.

Was manche glauben:

„Ich war jetzt so lange krank. Aber zum Glück kann ich meine ganzen Krankheitskosten ja komplett von der Steuer absetzen.“

Was wir wissen:

Eindeutige Antwort? Auch hier leider Fehlanzeige. Also erst mal ist klar: Nicht nur Ihre Krankheit, sondern auch die Krankheitskosten sind ja eine außergewöhnliche Belastung. Die wird auch im Steuerrecht genau so genannt. Diese Belastungskosten können Sie absetzen. Aber nicht immer komplett. Um einen Eigenanteil kommen Sie nicht herum. Nur die Kosten, die diesen Eigenanteil übersteigen, sind absetzbar. Damit nicht genug: Ihr Eigenanteil berechnet sich auch nach der Höhe Ihres Einkommens. Verdienen Sie wenig, liegt er vielleicht nur bei einem Prozent. Verdienen Sie richtig gut, können es sieben Prozent sein.
Wer da noch durchblicken soll, fragen Sie sich? Na, wir! Und zum Glück behalten wir auch den Durchblick. Daher unsere Bitte: Sammeln Sie einfach alle Ihre Krankheitskosten, die in einem Kalenderjahr anfallen. Wir checken dann genau, wie viel Sie davon von der Steuer absetzen können.

Was manche glauben:

„Wow, was für ein schönes neues Badezimmer. Hat mich gut was gekostet. Hab ich alles von einem Profihandwerker machen lassen. Kann ich ja immer komplett absetzen, diese Handwerkerrechnungen.“

Was wir wissen:

Falsch gedacht. Zumindest, wenn Sie alles absetzen wollen. Ja, es gibt im Steuerrecht die „haushaltsnahen Dienstleistungen“, das kann das Neueindecken des Daches sein, das Einbauen des neuen Bads, das Verlegen des Dielenbodens. Hier geht es aber immer nur um die Leistungen, nicht ums Material. Sprich: Wenn der Sanitärfachbetrieb Ihnen 3000 Euro für schöne Fliesen und eine Duschtür aus Glas berechnet, können Sie davon für Ihr Privathaus aber mal gar nichts absetzen. Berechnet er Ihnen aber 120 Arbeitsstunden zu je 50 Euro, sieht das schon anders aus. Aber auch nicht komplett rosig. Denn dieser Gesamtlohn von 6000 Euro ist zum einen schon das Maximum dessen, was Sie im Jahr überhaupt für die haushaltsnahen Dienstleistungen ansetzen können. Und dann werden davon nur 20 Prozent angerechnet. Es ergibt sich also in diesem Beispiel eine Steuerminderung von 1200 Euro.

Obacht: Das alles funktioniert natürlich nur, wenn Sie dem Handwerker nicht einen Umschlag mit Barem in die Hand drücken. Sondern nur, wenn er Ihnen eine ordnungsgemäße Rechnung stellt und Sie ihm den Rechnungsbetrag korrekt überweisen. Sie wissen doch: Ordnung muss sein! Übrigens: Geschickte Planung auch! Wenn Sie also vorhaben, sich Stück für Stück das halbe Haus sanieren zu lassen, verteilen Sie das Projekt am besten auf mehrere Jahre, um kontinuierlich Steuern zu sparen.