Wie Sie sich richtig verhalten, wenn ein Flankenschutzbeauftragter plötzlich bei Ihnen klingelt. Und rein möchte.

Sie haben gerade einen Kunden da. Stecken mitten im Projektgespräch. Oder sie veranstalten einen Kreativworkshop. Oder verfassen ein Schreiben an den Geschäftspartner. Und dann klingelt es an der Bürotür. Sie öffnen.

„Guten Tag, Meier von der Finanzbehörde. Ich bin hier in meiner Funktion als Flankenschutzbeauftragter. Es gibt Unklarheiten bei ihrer letzten Steuererklärung, daher darf ich mir hier mal einen Überblick verschaffen in Ihren Büro- und Geschäftsräumen.“

RUMMS! Ihr Kiefer klappt nach unten, das Herz rutscht zwei Etagen tiefer. Bitte? Ein Flanken … WAS?

Ja, das gibt es. Ja, das ist erlaubt Es gibt dafür auch Paragrafen, die erspare ich Ihnen hier, jedenfalls geht es dabei rein rechtlich um die Aufdeckung unbekannter Steuerfälle sowie von Straftaten beziehungsweise Ordnungswidrigkeiten.

Um es vorweg zu schicken: Diese Leute schickt das Finanzamt nicht, wenn es bei Ihnen absolut gar keinen Zweifel in Sachen Steuern gibt. Die kommen nur, wenn der Finanzamte Ungereimtheiten entdeckt hat und selbst nicht weiterkommt.

Das Ding ist nur: Der steht dann plötzlich einfach so da. Ohne Voranmeldung. Kann sogar sein, dass er ergänzt: „Ach so, und in Ihre Privaträume möchte ich gleich dann auch mal.“ Schwupps – das Herz rutscht noch tiefer.

Okay, tief durchatmen, sich sammeln, sich bewusst machen: Ja, dieser Mensch darf unangekündigt kommen. Nein, es handelt sich hier nicht um eine Umsatzsteuer- oder Klassenschau, auch um kein Steuerstrafverfahren, es besteht auch ein konkreter Verdacht, sondern es geht einzig und allein um Unklarheiten.

Und meist geht es dabei um:

  • Nutzung des Arbeitszimmers
  • Ein- und Verkäufe übers Internet
  • Doppelte Haushaltsführung
  • Neue Einnahmequellen wie Vermietung, Verpachtung und so weiter

Das A und O: Bleiben Sie cool. Und holen Sie sich Unterstützung

„Guten Tag, Herr Meier. Bitte erklären Sie mir doch einmal Ihre genaue Funktion, worum es Ihnen konkret geht und welche Rechtsgrundlage Ihrem Besuch zugrunde liegt.“ Das könnte ihre erste Reaktion auf Herrn Meier sein. Freundlich, sachlich, zugeknöpft. Denn der Überraschungseffekt (um nicht Überrumpelung zu sagen) zählt ja zur Taktik des Finanzamtes. So was wie: „Oh Gott, klar, kommen Sie rein, aber ich sag Ihnen gleich, bei mir stimmt alles, und das Bild, das da so schief hängt, das ist wirklich fürs Büro, das können Sie glauben!“ kommt gar nicht gut. Jede, aber wirklich jede Auskunft, jede Unterlage, jeder Hinweis darauf, dass bei Ihnen steuerlich nicht alles korrekt läuft, kann Ihnen zum Nachteil ausgelegt werden, wenn es denn zu einem Strafverfahren kommt (was nach dem Besuch des Flankenschutzbeauftragten durchaus passieren kann).

Und: In Ihre Privaträume lassen Sie den guten Mann oder die gute Frau schon mal gar nicht. Denn dafür bräuchte er oder sie einen Durchsuchungsbeschluss. Okay, den könnte der Beamte sogar erzwingen, wenn er eine Gefährdung der Steuerrechtsordnung in Ihrem Fall so interpretiert, dass daraus sogar eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung wird – aber das kommt selten vor. Und wenn, dann dürfte in diesem Fall in Ihrer Steuerwelt manches wirklich nicht rund laufen!
Also mal ganz entspannt bleiben. Und am besten direkt zum Hörer greifen. Rufen Sie Ihren Anwalt oder Steuerberater an (auch, wenn der Flankenschutzbeauftragte behauptet, das müssten sie nicht …) und schalten Sie diesen ein. Er wird Ihnen auch raten, wie Sie sich verhalten sollten.

Denn wenn das Finanzamt seinen Beauftragten zu Ihnen schickt, nach dem Motto: Schau doch mal bei dem Soundso rein, mal sehen, was geht – dann geraten Sie in die Zwickmühle. Denn schicken Sie ihn weg, wirkt es, als hätten Sie was zu verbergen. Lassen Sie ihn vollkommen unvorbereitet herein, findet er eventuell Hinweise auf weitere Ungereimtheiten, was Ihr Steuerberater indes ohne Probleme widerlegen könnte. Sie selbst aber nicht. Schon gar nicht, wenn Sie sich womöglich unfreiwillig um Kopf und Kragen reden.

Vorbeugen ist die halbe Miete.

Wie zu Beginn schon gesagt: Völlig unbegründet kommt der Flankenschutzbeauftragte nicht. Aber Sie können seinen Besuch von vornherein verhindern. Trennen Sie strickt alle Unterlagen privat/geschäftlich. Überlassen Sie Ihrem Steuerberater Ihre Steuern und arbeiten Sie gewissenhaft zu. Achten Sie auf Vermerke auf dem Steuerbescheid. Steht dort so was wie „vorläufig …“ könnte später ein Besuch drohen. Also mit dem Steuerberater Rücksprache halten und frühzeitig alle Zweifel des Finanzamtes ausräumen. Damit Sie in die „Hilfe-da-steht-das-Finanzamt-an-der-Tür-Situation“ gar nicht erst kommen.