Wie Sie das Trendfahrzeug für Kundenbesuche oder den Weg ins Unternehmen nutzen können.

Was, auf dem Gehsteig?! Wie schnell werden die Dinger denn? Mit Helm oder ohne? Und was ist mit den Fußgängern? Ach ja, typisch Deutschland: Während andernorts die E-Scooter längst zum Straßenbild gehören, begannen hierzulande erst einmal die Diskussionen. Jetzt fahren sie. Und für Sie ganz wichtig Wie läuft das eigentlich, wenn dieses wirklich praktische und umweltfreundliche Fortbewegungsmittel für betriebliche Zwecke genutzt wird? Denn zahlreiche Unternehmen stellen die E-Scooter bereits ihren Mitarbeitern zur Verfügung. Gerade in der Metropole sind sie auch, je nach Witterung, ein prima Auto-Ersatz. So weit, so gut, nur: Wie wird dieser Spaß denn abgerechnet?
Es gibt zwei Varianten der Nutzung eines solchen E-Scooters. Und danach richtet sich die Versteuerung.

Der Scooter als Reisekostenersatz

Die Hugo AG sitzt mitten in Köln. Für Kundenbesuche ihrer Key-Accounter stellt sie E-Scooter zur Verfügung, mit denen diese direkt vom Firmensitz aus ihre Kunden in der Innenstadt besuchen können. Für diese Auswärtstätigkeiten sprechen wir von einem Reisekostenersatz in Form einer Sachleistung. Und der ist steuerfrei, es ist also kein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil zu erfassen. Voraussetzung: Der Key-Accounter besucht nach dem Kunden nicht noch privat seine Oma in Hürth, sondern fährt direkt zurück ins Büro.

Der Scooter als Firmenfahrzeug

So, und wenn einer der Key-Accounter, nennen wir ihn Paul, den Scooter auch gerne jeden Werktag für die fünf Kilometer lange Fahrt von seiner Wohnung ins Büro nutzen möchte? Und am Wochenende damit zu seiner Freundin fährt? Dann nutzt er ihn auch privat. Und diese Nutzung ist steuerpflichtig. Geldwerter Vorteil lautet das Zauberwort. Warum der Scooter in diesem Fall nach § 3 Nr. 37 EStG nicht steuerfrei ist? Ganz einfach: Es gilt die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung. Denn ein E-Scooter muss verkehrsrechtlich zugelassen werden und ist somit ein Kraftfahrzeug. So klein er auch ist, er wird genauso behandelt wie ein Elektro-Dienstwagen. Vorteil in diesem Fall gegenüber einem Benziner: Für die Privatnutzung gilt seit Februar 2019 nicht die 1-Prozent, sondern die 0,5-Prozentregelung.

Lassen wir doch mal Zahlen sprechen

Paul bekommt von der Hugo AG seinen Scooter für die fünf Kilometer lange Strecke von zu Hause ins Büro und für die private Nutzung. Das Teil kostet brutto 1.600 Euro. Für die Privatnutzung wird davon, da es ja ein elektrisches Fahrzeug ist, nur die Hälfte, also 800 Euro, angerechnet. Davon 1 Prozent (gleich 0,5 Prozent von 1600 Euro) ergibt 8,00 Euro.
Die sind also schon mal zu versteuern. Dazu kommt eine Pauschale für den Weg zur Arbeit: 0,03 Prozent werden hier angesetzt. Also: 0,03 mal 800 Euro mal 5 Kilometer, macht 1,20 Euro. Zusammen also 9,20 Euro im Moment. Nein, das ist nicht viel. Ja, das muss trotzdem so gemacht werden. Denn der E-Scooter wird lohnsteuerlich genauso behandelt wie ein Firmenauto.

Und jetzt die Ausnahmen und Besonderheiten. Klar, die gibt es.

  • Anderer Satz: So kann hinsichtlich des Wegs zur Arbeit anstatt der oben stehenden 0,03 Prozent auch die so genannte 0,002 Prozent-Regelung angewendet werden.
  • Teilstrecke: Wenn Paul zehn Kilometer Arbeitsweg hat und nur fünf davon mit dem Scooter zurücklegt und den Rest mit der Bahn (in die er seinen Scooter dann zum Beispiel mitnimmt), kann man so verfahren, dass nur die tatsächlichen „Scooter-Kilometer“ erfasst werden.
  • Mach’s pauschal: Den geldwerten Vorteil, der für Fahrten zwischen Wohnung und Büro entsteht, kann die Hugo AG pauschalieren – mit 15 Prozent. Dann muss das aber auch auf der Lohnsteuerbescheinigung aufgezeichnet werden. Denn der sich dadurch ergebende Pauschalierungsbetrag kürzt automatisch die Entfernungspauschale, die wiederum als Werbungskosten abziehbar wäre. Dafür spart man sich die einzelne Streckenabrechnung.

Und jetzt müssen Ihre Mitarbeiter nur noch: Fahren. Und das bitte bedacht und mit Augenmaß.