Denn da gibt es womöglich einiges zurück.

Durchgestartet. Direkt nach der Schule in die Ausbildung. Erstes Geld verdient. Sich vielleicht ein kleines Auto geleistet. So weit, so gut, oder? Und dann geht alles ganz schnell: Drittes Lehrjahr, Abschlussprüfung. Immer einen guten Job gemacht und plötzlich übernommen als vollwertiger Mitarbeiter. 40-Stunden-Woche. Und: Oft ein Vielfaches an Gehalt. Damit auch an Abgaben. Und gleichsam im ersten Jahr beste Chancen, Steuern zurückzubekommen. Aber dafür muss die erste Steuererklärung gemacht werden.

Verstanden. Aber warum ist das eigentlich so?

Ganz einfach: Ein Azubi, der im Monat irgendwas zwischen 700 und 100 Euro brutto verdient, zahlt so gut wie keine Lohnsteuer, wenig Soli und wenig Kirchensteuer, so er denn überhaupt in der Kirche ist. Aber dann: Volles Gehalt von womöglich anfangs schon deutlich über 2000 Euro brutto, Steuerklasse eins, hohe Abgaben.

Und jetzt wird es spannend: Denn die Abgaben werden nach der so genannten Monatslohnsteuertabelle abgerechnet. Hat eine Nachwuchskraft nun im Juni nach drei Jahren ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und ist übernommen worden, ist es gut möglich, dass sie anfangs aufs Jahr gesehen zu viele Steuern zahlt.

Interessant. Und was jetzt?

Macht der junge Mitarbeiter seine erste Steuererklärung (siehe auch unten)! Aber nicht nur das: Der Arbeitgeber kann zum Jahresende einen Lohnsteuerjahresausgleich durchführen (ab zehn Mitarbeitern muss er das sogar). Dies erledigt er zum Beispiel mit der Gehaltsabrechnung für den Dezember. Damit kann er Abgabespitzen einzelner Monate, die während des laufenden Jahres eventuell aufgetreten sind, abschwächen. Er ändert hierfür den Betrachtungszeitraum auf das gesamte Kalenderjahr und der betroffene Mitarbeiter bekommt Steuern wieder.

Gibt es dafür mal ein Beispiel?

Aber klar: Karl, Jahrgang 1998, kinderlos, 8 Prozent Kirchensteuer, hat zum 30. Juni 2018 seine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Müller KG abgeschlossen und dort am 1. Juli als fester Vollzeitmitarbeiter angefangen.

Sein Gehalt vom 1. Januar bis 30. Juni 2018: 900 Euro brutto im Monat, also 5.400 Euro für ein halbes Jahr. Keine Lohnsteuer. Kein Soli. Keine Kirchensteuer.

Sein Gehalt vom 1. Juli bis 31. Dezember 2018: 2.000,00 Euro brutto im Monat, also 12.000 Euro für ein halbes Jahr.

Und das ist seine zunächst veranlagte Steuerbelastung für das komplette halbe Jahr:

Lohnsteuer 1.104,48 Euro.
Solidaritätszuschlag: 60,72 Euro.
Kirchensteuer: 88,32 Euro.

Jetzt kommt die Jahreslohnsteuertabelle zum Zuge. Und die sagt, weil sie ja alle Gehälter der vergangenen 12 Monate addiert:

Jahresbruttolohn: 17.400,00 Euro.
Lohnsteuer: 731,00 Euro.
Solidaritätszuschlag: Nix.
Kirchensteuer: 58,48 Euro

Das ergibt folgende Erstattung im Verhältnis zu den Zahlen aus dem zweiten Halbjahr:

464,04 Euro. Reicht für ein schönes Wochenende auf Mallorca.

Hat der Arbeitgeber einen Lohnsteuerjahresausgleich durchgeführt, wird das verrechnet und alles ist gut. Wenn nicht: Selber die Steuererklärung einreichen und sich das Geld zurückholen!

Und weitere Steuern sparen!

Denn die Steuererklärung sollten Sie als Mitarbeiter für das Jahr, in dem Sie Ihre Ausbildung abgeschlossen haben, auf jeden Fall machen, ganz gleich, wie Ihr Arbeitgeber agiert. Denn: Sie können zig Kosten steuerlich absetzen! Zum Beispiel diese:

  • Fahrten Wohnung/ Arbeitsstätte (einfache Wegstrecke)
  • Fahrten zur Berufsschule (Hin- und Rückweg)
  • Verpflegungsmehraufwand Berufsschule (mind. 8 Stunden: 12,00 Euro, ab mind. 24 Stunden 24,00 Euro)
  • Arbeitsmittel und Fachliteratur
  • Bewerbungskosten
  • Kontoführungsgebühren (mit 16,00 Euro)
  • Fahrten zu Lerngemeinschaften (Hin- und Rückweg)
  • Verpflegungsmehraufwendungen Lerngemeinschaften (mind. 8 Stunden: 12,00 Euro, ab mind. 24 Stunden 24,00 Euro)
  • Fortbildungskosten
  • Telekommunikationskosten
  • Rechtsschutzversicherung und Unfallversicherung (jeweils beruflicher Anteil)